Teil unseres Leitfadens zu Förderberatung

Effizienzhaus-Förderung 2026: Einzelmaßnahmen oder Komplettsanierung?

Schritt für Schritt mit BEG-Einzelmaßnahmen oder mit KfW-Kredit 261 zum Effizienzhaus: die Förderlogik beider Wege im Vergleich, mit den Sätzen seit Juli 2026.

Veröffentlicht am 07.08.2026 · 8 Minuten Lesezeit

Zwei Haushälften im Vergleich, eine frisch saniert, eine mit alter Fassade, Abendsonne

Wer ein älteres Haus energetisch sanieren will, steht früh vor der Grundsatzfrage: Einzelmaßnahmen oder Komplettsanierung? Also Schritt für Schritt einzelne Bauteile verbessern und dafür Zuschüsse mitnehmen, oder alles in einem Zug zum Effizienzhaus bringen und den geförderten KfW-Kredit nutzen. Beide Wege führen zum selben Ziel, aber über verschiedene Förderprogramme, verschiedene Zeiträume und eine sehr verschiedene Belastung Ihres Kontos. Seit dem 21. Juli 2026 gelten zudem neue Konditionen, die die Rechnung spürbar verschieben. Alle Zahlen in diesem Beitrag geben den Stand der Programmseiten von KfW und BAFA im August 2026 wieder.

Zwei Wege, zwei Förderlogiken

Der erste Weg läuft über Einzelmaßnahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Sie dämmen in einem Jahr das Dach, tauschen im nächsten die Fenster, irgendwann folgt die Heizung. Für Maßnahmen an der Gebäudehülle zahlt das BAFA einen Zuschuss von 15 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Der Heizungstausch läuft über den KfW-Zuschuss 458 mit 30 Prozent Grundförderung, die mit Boni je nach Einkommen und Tempo auf bis zu 70 Prozent steigen kann, bei niedrigen Haushaltseinkommen auf bis zu 80 Prozent. Ein Kredit ist nicht nötig: Sie zahlen die Rechnung und erhalten einen Teil zurück.

Der zweite Weg ist die Komplettsanierung zum Effizienzhaus über den KfW-Kredit 261. Die KfW vergibt dafür einen zinsverbilligten Kredit von bis zu 150.000 Euro je Wohneinheit, je nach erreichter Effizienzhaus-Stufe mit einem Tilgungszuschuss, der die Restschuld senkt. Voraussetzung ist, dass am Ende nachweislich eine Effizienzhaus-Stufe erreicht wird und ein Energieeffizienz-Experte die Sanierung begleitet.

Anforderungen: was ein Effizienzhaus 85 erfüllen muss

Die Stufen beziehen sich auf ein Referenzgebäude nach dem Gebäudeenergiegesetz. Ein Effizienzhaus 85 darf höchstens 85 Prozent des Primärenergiebedarfs dieses Referenzgebäudes verbrauchen, und der Wärmeverlust über die Gebäudehülle (Transmissionswärmeverlust) darf höchstens 100 Prozent des Referenzwerts betragen. Je kleiner die Zahl, desto strenger die Anforderung: Ein Effizienzhaus 55 muss mit 55 Prozent Primärenergie und 70 Prozent Wärmeverlust auskommen, ein Effizienzhaus 40 mit 40 und 55 Prozent.

Dazu kommt die EE-Klasse: Wird der Energiebedarf für Wärme und Kälte zu mindestens 65 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt, zählt das Gebäude zur Erneuerbare-Energien-Klasse. Genau daran hängt seit Juli 2026 der Tilgungszuschuss. Ob Ihr Haus eine Stufe erreichen kann und welche, rechnet der Energieeffizienz-Experte vor der Antragstellung durch.

Die Förderlogik beider Wege im Vergleich

Einzelmaßnahmen (BEG EM)Komplettsanierung (KfW 261)
Form der FörderungZuschuss, kein Kredit nötigzinsverbilligter Kredit mit Tilgungszuschuss
Gebäudehülle (Dämmung, Fenster)15 Prozent Zuschuss, mit iSFP-Bonus 20 Prozentim Gesamtpaket enthalten
Heizungeigener Zuschuss (KfW 458): 30 Prozent Grundförderung, mit Boni bis 70 Prozent (niedrige Einkommen: bis 80), förderfähig bis 28.000 Euroim Gesamtpaket enthalten
Förderrahmen30.000 Euro förderfähige Ausgaben je Wohneinheit und Jahr, mit iSFP 60.000 EuroKredit bis 150.000 Euro je Wohneinheit
TilgungszuschussentfälltEffizienzhaus 40 EE: 10 Prozent (bis 15.000 Euro), 55 EE: 5 Prozent, 85 und 70: keiner
BoniiSFP-Bonus von 5 Punkten, seit 21.07.2026 erst ab 30.000 Euro InvestitionsvolumenWorst Performing Building: 10 Punkte, serielle Sanierung: 15 Punkte, NH-Klasse: 5 Punkte
AntragswegBAFA beziehungsweise KfW, je Maßnahme neuüber die Hausbank, mit Energieeffizienz-Experte

Die unbequeme Nachricht steckt in der Tilgungszuschuss-Zeile: Seit dem 21. Juli 2026 gibt es für die Stufen 85 und 70 keinen Tilgungszuschuss mehr. Wer sein Haus zum Effizienzhaus 85 saniert, bekommt den günstigen Kredit, aber keinen Erlass auf die Restschuld; nur mit zertifizierter Nachhaltigkeits-Klasse sind es 5 Prozent. Die Zuschüsse konzentrieren sich auf die anspruchsvollen Stufen 55 und 40 mit EE-Klasse.

Auch beim Schrittweg wurde gekürzt: Den Bonus von 5 Prozentpunkten für den individuellen Sanierungsfahrplan gibt es beim Einfamilienhaus erst ab einem förderfähigen Investitionsvolumen von 30.000 Euro. Kleinere Einzelmaßnahmen bleiben damit bei 15 Prozent. Was der Fahrplan leistet und was er kostet, steht in unserem Beitrag zum Sanierungsfahrplan.

Liquidität und Bauzeit: die ehrliche Rechnung

Auf dem Papier wirkt ein Zuschuss attraktiver als ein Kredit. Auf dem Konto sieht es anders aus: Bei Einzelmaßnahmen gehen Sie je Maßnahme in Vorleistung, der Zuschuss wird in der Regel erst nach Abschluss und Nachweis ausgezahlt. Dafür verteilt sich die Belastung über Jahre, und das Haus bleibt durchgehend bewohnbar, eine Baustelle nach der anderen.

Die Komplettsanierung bündelt alles: ein Kredit, ein Bauablauf, einmal Gerüst, einmal Schmutz. Nach unserer Erfahrung bedeutet das mehrere Monate Baustelle, und je nach Umfang ist das Haus in dieser Zeit nicht durchgehend bewohnbar. Das gehört in die Entscheidung, bevor über Fördersätze gesprochen wird. Dafür greifen die Gewerke ineinander: Die Dämmstärke passt zur neuen Heizung, die Fensteranschlüsse passen zur neuen Fassade. Beim Schrittweg müssen diese Anschlüsse über Jahre hinweg zusammenpassen, weshalb die Reihenfolge der Maßnahmen dort umso wichtiger ist.

Für wen welcher Weg passt

Einzelmaßnahmen passen, wenn

  • das Budget begrenzt ist und keine große Finanzierung gewünscht wird,
  • das Haus bewohnt bleibt und einzelne Bauteile ohnehin fällig sind, etwa ein undichtes Dach,
  • die Sanierung sich am Zustand des Hauses orientieren soll, nicht an einem Stichtag.

Die Komplettsanierung passt, wenn

  • das Haus gerade gekauft wurde oder leer steht,
  • ohnehin viele Bauteile gleichzeitig am Ende ihrer Lebensdauer sind,
  • eine Stufe 55 oder 40 mit EE-Klasse erreichbar ist, denn dort liegen seit Juli 2026 die Tilgungszuschüsse,
  • Sie den Aufwand einmal haben wollen statt fünfmal.

Das ist unsere Einschätzung aus der Praxis, keine Rechenregel. Ob sie auf Ihr Haus zutrifft, zeigt erst eine Rechnung mit Ihren Zahlen.

Ein Ansprechpartner statt fünf Baustellen

Clivono ist Generalunternehmer: Wir führen und koordinieren Dach, Fassade, Fenster und Heizung. Sie haben einen Ansprechpartner, einen Vertrag und eine Rechnung. Bei einer Komplettsanierung planen wir die Gewerke von Anfang an so, dass die nachzuweisende Effizienzhaus-Stufe erreichbar bleibt. Und bevor Sie sich für einen Weg entscheiden, rechnen wir in der Förderberatung beide Varianten mit Ihren Zahlen durch, inklusive der Frage, ob sich der Sprung von Stufe 85 auf 55 lohnt.

Fördersätze und Programmbedingungen ändern sich. Verbindlich ist der Stand am Tag der Antragstellung bei KfW und BAFA.