Teil unseres Leitfadens zu Komplettsanierung

Kernsanierung Kosten: was der Rückbau bis auf die Struktur wirklich kostet

Kernsanierung kostet je nach Umfang 400 bis 2.700 Euro pro Quadratmeter. Belegte Spannen nach Gewerken, die Preistreiber und warum der Puffer zur Planung gehört.

Veröffentlicht am 13.08.2026 · 7 Minuten Lesezeit

Bauleiter mit Plänen in einem entkernten Raum, Staub im Gegenlicht der Fensteröffnung

Wer die Kosten einer Kernsanierung recherchiert, findet Angaben zwischen 400 und 2.700 Euro pro Quadratmeter. Beide Enden der Spanne sind ernst gemeint, sie beschreiben nur verschiedene Häuser und verschiedene Ziele. Dieser Beitrag zeigt, welche Spannen belegt sind, was den Preis nach oben treibt und warum kein Rechner die Besichtigung ersetzt. Was eine Kernsanierung überhaupt umfasst und wie sie abläuft, steht im Überblick zur Kernsanierung.

Was kostet eine Kernsanierung pro Quadratmeter?

Für ein Einfamilienhaus nennen aktuelle Quellen diese Größenordnungen, jeweils je Quadratmeter Wohnfläche:

UmfangKosten je QuadratmeterQuelle
Einfache Kernsanierung400 bis 1.000 EuroRatgeber der Volks- und Raiffeisenbanken, abgerufen August 2026
Umfassende Kernsanierung800 bis 1.500 EuroPortal effi.de, Stand 2026
Kernsanierung auf Effizienzhaus-Niveau1.600 bis 2.700 Euro je nach StufeSanierungsanbieter Renewa, abgerufen August 2026

Zur Einordnung: co2online rechnet in einer Modellrechnung vom Februar 2026 für ein 130-Quadratmeter-Haus mit 130.000 bis 146.000 Euro für die Komplettsanierung, je nach Heizsystem. Das entspricht rund 1.000 bis 1.100 Euro pro Quadratmeter und liegt mitten in der Spanne.

Für ein Haus mit 120 Quadratmetern bedeutet die mittlere Spanne 96.000 bis 180.000 Euro. Die ehrliche Antwort auf die Frage „Was kostet eine Kernsanierung?" ist also keine Zahl, sondern eine Spanne mit Faktor zwei bis drei. Wo Ihr Haus darin liegt, entscheidet die Substanz, nicht die Tabelle.

Kostenspannen nach Gewerken

Die Gesamtsumme setzt sich aus Gewerken zusammen, deren Spannen einzeln besser belegt sind:

GewerkKostenspanneQuelle
Dach (Eindeckung und Dämmung)190 bis 560 Euro je Quadratmeter Dachflächeeffi.de, Stand 2026
Fassadendämmung (WDVS mit Gerüst und Putz)150 bis 190 Euro je Quadratmeter WandflächeVerbraucherzentrale, Stand Juli 2025
Fenster500 bis 1.200 Euro je FensterVR-Ratgeber, abgerufen August 2026
Heizung komplett30.000 bis 50.000 EuroVR-Ratgeber, abgerufen August 2026
Elektrik (Neuinstallation)80 bis 150 Euro je Quadratmeter Wohnflächeeffi.de, Stand 2026
Bad10.000 bis 25.000 Euro je Badeffi.de, Stand 2026
Böden und Innenausbau5.000 bis 25.000 Euro gesamtEinschätzung aus unserer Projektpraxis, keine belegte Marktspanne

Achten Sie auf die Bezugsgrößen: Dach- und Wandflächen sind größer oder kleiner als die Wohnfläche, je nach Gebäudeform. Wer alle Posten einfach auf die Wohnfläche umlegt, rechnet sich das Projekt schön oder schlecht.

Für die reine Entkernung, also den Rückbau bis auf die tragende Struktur, nennen wir bewusst keine Zahl. Die kursierenden Angaben streuen stark und hängen an Zugänglichkeit, Entsorgungswegen und Schadstoffbefund. Eine belastbare, öffentlich geprüfte Spanne haben wir nicht gefunden.

Die Preistreiber: Statik, Schadstoffe, Denkmalschutz

Drei Themen entscheiden darüber, ob Ihr Projekt am unteren oder am oberen Ende der Spanne landet.

Statik. Wer Grundrisse öffnet, ersetzt tragende Wände durch Träger, und jeder Eingriff braucht eine statische Berechnung. Renewa führt die statische Ertüchtigung ausdrücklich als Kostentreiber und beziffert den Mehraufwand bei Altbauten insgesamt auf 15 bis 30 Prozent gegenüber jüngeren Gebäuden.

Schadstoffe. Asbest in Bodenbelägen und Putzen, alte Mineralwolle, Holzschutzmittel: Vieles davon zeigt sich erst, wenn der Rückbau läuft. Dann sind Beprobung und getrennte Entsorgung Pflicht, und der Zeitplan verschiebt sich mit. Welche Stoffe in welchen Baujahren stecken, steht in unserem Beitrag zu Schadstoffen im Altbau.

Denkmalschutz. Auflagen zu Fenstern, Fassade und Dacheindeckung schließen günstige Standardlösungen aus, und jede Abweichung braucht eine Genehmigung. Wie stark das den Preis hebt, lässt sich nicht pauschal beziffern. Sprechen Sie mit dem Denkmalamt, bevor Sie mit Zahlen planen.

Warum Rechner und Tabellen nur Anhaltspunkte sind

Schon die Quellen oben unterscheiden sich am unteren Ende um mehr als das Doppelte. Das liegt nicht an schlechter Arbeit, sondern daran, dass ein Rechner Ihr Haus nicht kennt: nicht den Zustand der Leitungen, nicht die Tragfähigkeit der Decken, nicht den Schadstoffbefund, nicht die Handwerkerpreise Ihrer Region. co2online sagt über den eigenen ModernisierungsCheck selbst, dass er eine Energieberatung nicht ersetzt.

Nutzen Sie Rechner deshalb für das, was sie können: eine erste Größenordnung, mit der Sie entscheiden, ob das Projekt grundsätzlich zu Ihrem Budget passt. Die Zahl, mit der Sie finanzieren, kommt aus einer Begehung mit Aufmaß und aus konkreten Angeboten.

Kernsanierung einer Wohnung

Bei einer Eigentumswohnung entfallen Dach und Fassade, sie gehören zum Gemeinschaftseigentum. Übrig bleiben die Gewerke innerhalb der Wohnung: Elektrik, Bad, Böden, Innentüren, je nach Teilungserklärung auch Fenster und Heizungsverteilung.

Aus den Gewerke-Spannen oben ergibt sich für eine 70-Quadratmeter-Wohnung grob eine Größenordnung von 30.000 bis 70.000 Euro. Das ist eine Ableitung aus den Einzelwerten, keine eigenständig belegte Marktzahl, und sie verschiebt sich mit jedem Sonderwunsch im Bad.

Sanieren oder neu bauen?

Ein Neubau kostet nach einer Auswertung der Landesbausparkassen im Schnitt rund 2.500 Euro pro Quadratmeter, regional 1.700 bis 4.500 Euro (Sparkasse, Stand 2025). Ein schlüsselfertiges Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern lag 2025 im Bundesdurchschnitt bei 430.000 bis 470.000 Euro, ohne Grundstück.

Eine umfassende Kernsanierung mit 800 bis 1.500 Euro pro Quadratmeter bleibt damit meist deutlich unter dem Neubau, oft beim halben Preis. Die Rechnung kippt, wenn Effizienzhaus-Ziele, Statik und Schadstoffe zusammenkommen: Dann nähern sich die Kosten dem Neubau, und der Zustand der Substanz entscheidet, ob sich das Erhalten noch lohnt.

Puffer ist Pflicht, Förderung ist der Ausgleich

Bei jeder Kernsanierung tauchen Positionen auf, die vorher niemand sehen konnte: der Balken hinter der Verkleidung, die Leitung, die anders verläuft als gedacht. Wir planen deshalb grundsätzlich mit einer Reserve von mindestens 15 Prozent der Bausumme, bei Häusern aus der Zeit vor 1970 eher 20 Prozent. Das ist unsere Empfehlung aus der Projektpraxis, kein genormter Wert. Ein Puffer, der am Ende übrig bleibt, hat noch keinem Projekt geschadet. Ein fehlender Puffer stoppt Baustellen.

Auf der anderen Seite steht die Förderung: Wer die Kernsanierung auf ein Effizienzhaus-Niveau hebt, kann über das KfW-Programm 261 einen Kredit von bis zu 150.000 Euro je Wohneinheit mit Tilgungszuschuss nutzen (KfW, Stand 2026). Welche Programme sich kombinieren lassen, steht im Beitrag zur Förderung der energetischen Sanierung.

Als Generalunternehmer koordinieren wir bei einer Kernsanierung alle Gewerke, vom Rückbau bis zum Innenausbau: ein Ansprechpartner, ein Vertrag, eine Rechnung. Was das für Ihr Projekt bedeutet, steht auf unserer Seite zur Komplettsanierung.