Teil unseres Leitfadens zu Fußbodenheizung

Fußbodenheizung entlüften: Anleitung, Werkzeug und wann Spülen nötig wird

Woran Sie Luft im System erkennen, wie Sie am Heizkreisverteiler Schritt für Schritt entlüften, welcher Schlüssel dafür passt und wer in der Mietwohnung zuständig ist.

Veröffentlicht am 24.08.2026 · 7 Minuten Lesezeit

Hand mit Entlüftungsschlüssel am offenen Handentlüfter des Heizkreisverteilers, ein Lappen fängt austretendes Wasser auf, im Hintergrund die übrigen Anschlüsse im Verteilerschrank

Wenn ein Raum trotz aufgedrehtem Thermostat kühl bleibt oder aus dem Verteilerschrank ein leises Gluckern zu hören ist, steckt in den meisten Fällen Luft im System. Anders als beim Heizkörper lässt sich eine Fußbodenheizung nicht an einem einzelnen Ventil entlüften, sondern nur am Heizkreisverteiler, und zwar Kreis für Kreis. Was Sie dafür brauchen, wie der Ablauf aussieht und wann Entlüften allein nicht mehr reicht, lesen Sie hier.

Woran Sie erkennen, dass Luft im System steckt

Luft in den Heizkreisen macht sich selten sofort bemerkbar, meist erst über mehrere Tage. Typische Anzeichen sind:

  • gluckernde oder klackernde Geräusche aus dem Verteilerschrank oder dem Boden
  • einzelne kalte Zonen, während der Rest des Raums normal warm wird
  • der Raum braucht spürbar länger, um die eingestellte Temperatur zu erreichen
  • ein steigender Heizverbrauch ohne erkennbaren Grund, weil die Anlage gegen die eingeschlossene Luft ankämpft

Ein einzelnes dieser Anzeichen muss noch nichts bedeuten, mehrere zusammen sind aber ein deutliches Signal, den Verteiler zu prüfen.

Das brauchen Sie zum Entlüften

Für die einfache Entlüftung am Handentlüfter genügt wenig Werkzeug:

  • ein Entlüftungsschlüssel, auch Vierkantschlüssel genannt, dieselbe genormte Größe wie am Heizkörper. Er kostet im Baumarkt wenig und passt auf die meisten Handentlüfter am Verteiler. Wo der Vierkant zu kurz ausgeführt ist, hilft ersatzweise ein passender Schlitzschraubendreher
  • ein saugfähiger Lappen oder ein kleines Gefäß, um austretendes Wasser aufzufangen
  • eine Unterlage oder Folie, falls der Verteilerschrank tief in einer Nische sitzt und der Boden darunter geschützt werden soll

Für die gründlichere Variante mit Durchspülen jedes einzelnen Kreises kommen zwei Schläuche, ein Zapfventil an der Wasserquelle und ein größerer Auffangbehälter dazu. Diese Methode verlangt zusätzlich, die Umwälzpumpe gezielt abzuschalten und den Vor- und Rücklauf am Verteiler zu sperren, das ist eher etwas für technisch versierte Bewohner oder eben für den Fachbetrieb.

Schritt für Schritt: So entlüften Sie am Heizkreisverteiler

  1. Heizung und Umwälzpumpe ausschalten, damit während der Entlüftung keine neue Luft nachgezogen wird.
  2. Den aktuellen Anlagendruck am Manometer ablesen und notieren, dazu weiter unten mehr.
  3. Lappen oder Gefäß unter den Handentlüfter des ersten Heizkreises halten.
  4. Mit dem Entlüftungsschlüssel das Ventil vorsichtig eine viertel bis halbe Umdrehung öffnen.
  5. Warten, bis das zischende Geräusch aufhört und nur noch gleichmäßiges Wasser ohne Luftblasen austritt, dann das Ventil wieder schließen.
  6. Diesen Vorgang für jeden weiteren Heizkreis einzeln wiederholen.
  7. Anschließend den Anlagendruck erneut prüfen und bei Bedarf über den Füllhahn Wasser nachfüllen.
  8. Heizung und Pumpe wieder einschalten und die Anlage über die folgenden Stunden beobachten, ob die Geräusche verschwunden sind.

In welcher Reihenfolge die Heizkreise dran sind

Eine feste Rangfolge, etwa erst Kreis eins, dann Kreis zwei, gibt es nicht. Entscheidend ist eine andere Regel: Es darf immer nur ein Heizkreis gleichzeitig geöffnet sein. Sind zwei oder mehr Ventile zugleich offen, sucht sich das nachströmende Wasser den Weg des geringsten Widerstands, meist der kürzeste oder am wenigsten gedrosselte Kreis. Die übrigen Kreise bekommen dann kaum Wasser ab, und die Luft in ihnen bleibt, wo sie ist. Deshalb: einen Kreis öffnen, vollständig entlüften, schließen, erst dann den nächsten öffnen.

Der Anlagendruck: worauf Sie achten sollten

Der Anlagendruck wird am Manometer in der Nähe des Wärmeerzeugers oder des Verteilerschranks abgelesen und in bar angezeigt. In Einfamilienhäusern liegt der übliche Betriebsdruck meist zwischen 1,5 und 2,0 bar, der genaue Sollwert steht in der Anlagendokumentation und kann je nach Gebäudehöhe und System abweichen.

Beim Entlüften sinkt der Druck spürbar, weil mit der Luft auch Wasser aus dem System entweicht. Fällt er zu weit, etwa unter 1,0 bar, füllen Sie über den Füllhahn vorsichtig Wasser nach, bis der Sollwert wieder erreicht ist. Wichtig ist auch die Gegenrichtung: Steigt der Druck während des Nachfüllens zu hoch, öffnet sich das Sicherheitsventil und lässt Wasser ab, das sollte kontrolliert und nicht wiederholt passieren. Verliert die Anlage in den Tagen nach dem Entlüften erneut spürbar Druck, deutet das eher auf eine Undichtigkeit als auf restliche Luft, dafür braucht es den Fachbetrieb.

Automatische Entlüfter: was sie leisten und wo ihre Grenzen liegen

Ein automatischer Entlüfter, auch Schnellentlüfter genannt, sitzt an den höchsten Punkten der Anlage und lässt eingeschlossene Luft eigenständig entweichen, ohne dass jemand von Hand nachhelfen muss. Innen sorgt entweder ein Schwimmer oder eine quellfähige Scheibe dafür, dass sich das Ventil bei Luft öffnet und bei Wasser wieder schließt.

Das funktioniert zuverlässig für Luft, die tatsächlich zu diesen hochliegenden Punkten aufsteigt. Eine Fußbodenheizung verläuft aber überwiegend horizontal, mit vergleichsweise geringen Höhenunterschieden zwischen den einzelnen Rohrabschnitten. Luft, die sich in einer Schleife am Boden sammelt, findet ihren Weg zum automatischen Entlüfter deshalb oft nicht von allein. Automatische Entlüfter ergänzen die Handentlüftung am Verteiler, ersetzen sie bei einer Fußbodenheizung aber in der Regel nicht vollständig.

Wenn Entlüften nicht mehr reicht: Spülen der Anlage

Entlüften entfernt nur eingeschlossene Luft, mehr nicht. Wenn ein Kreis trotz sauberer Entlüftung dauerhaft kühl bleibt, wenn das austretende Wasser trüb oder dunkel gefärbt ist, oder wenn der Druck immer wieder ungewöhnlich schnell abfällt, steckt oft mehr dahinter: Schlamm, Rostpartikel oder andere Ablagerungen in den Rohren, die den Durchfluss behindern. In diesem Fall hilft nur ein Spülen der gesamten Anlage, bei dem die Kreise mit Druck und teils mit chemischen Zusätzen durchgespült werden, bis die Ablagerungen gelöst sind.

Spülen ist aufwendiger als Entlüften und gehört in die Hände eines Fachbetriebs, schon weil dafür die passende Ausrüstung und die Erfahrung nötig sind, den Vorgang für jeden Kreis einzeln richtig zu steuern. Häufig lohnt es sich, im selben Zug den hydraulischen Abgleich neu zu prüfen, denn nach einer gründlichen Spülung verändern sich oft auch die Durchflusswerte an den einzelnen Kreisen.

Fußbodenheizung entlüften in der Mietwohnung: wer ist zuständig

Nach üblicher Praxis zählt die Instandhaltung der Heizungsanlage zu den Aufgaben des Vermieters, dazu gehört auch das regelmäßige Entlüften. Eine allgemeingültige gesetzliche Regelung speziell für diesen Fall gibt es nicht, maßgeblich sind der jeweilige Mietvertrag und der Einzelfall. Eine Kleinreparaturklausel allein verpflichtet Mieter in der Regel nicht dazu, das Entlüften selbst zu übernehmen.

In der Praxis dürfen Mieter oft einen einzelnen, gut zugänglichen Handentlüfter am Verteiler selbst betätigen, wenn sie sich das zutrauen, verpflichtet sind sie dazu aber nicht. Die vollständige Entlüftung der gesamten Anlage, mit Abschalten der Umwälzpumpe und Durchspülen jedes Kreises, bleibt dagegen üblicherweise Aufgabe eines Fachbetriebs im Auftrag des Vermieters. Bei anhaltenden kalten Stellen oder Geräuschen ist deshalb der erste Schritt meist die Meldung an Vermieter oder Hausverwaltung, nicht der eigene Griff zum Werkzeug. Was im Einzelfall gilt, richtet sich letztlich nach dem Mietvertrag, im Zweifel lohnt sich dazu eine kurze Rückfrage.

Ob Sie selbst zum Entlüftungsschlüssel greifen oder den Fachbetrieb rufen: Bleiben Geräusche oder kalte Stellen nach der Entlüftung bestehen, ist das ein Fall für den Profi, nicht für weiteres Probieren. Mehr zu Aufbau, Wartung und Kosten der Fußbodenheizung finden Sie auf unserer Leistungsseite Fußbodenheizung.