Teil unseres Leitfadens zu Fußbodenheizung

Vorlauftemperatur der Wärmepumpe: Jedes Grad zählt auf der Stromrechnung

Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur spart 2,5 bis 3 Prozent Strom. Wie Heizfläche und Arbeitszahl der Wärmepumpe zusammenhängen, und warum die Fußbodenheizung dabei der Hebel ist.

Veröffentlicht am 21.08.2026 · 7 Minuten Lesezeit

Bad mit Handtuchheizkörper an der Wand, Tageslicht fällt durch ein Fenster

Eine Wärmepumpe ist keine Heizung, die man einbaut und die dann eine feste Menge Strom verbraucht. Ihr Verbrauch hängt davon ab, wie hoch sie die Temperatur anheben muss. Und das entscheidet nicht die Wärmepumpe, sondern die Heizfläche im Raum.

Die Faustregel, die alles erklärt

Je Grad niedrigerer Vorlauftemperatur sinkt der Stromverbrauch einer Wärmepumpe um etwa 2,5 bis 3 Prozent.

Das klingt nach wenig. Rechnen Sie es hoch: Von 45 auf 35 Grad sind zehn Grad Unterschied, also 25 bis 30 Prozent weniger Strom, Jahr für Jahr, ohne dass sich am Komfort etwas ändert.

Warum das so ist

Eine Wärmepumpe verschiebt Wärme von draußen nach drinnen. Je größer der Temperaturunterschied zwischen der Wärmequelle und dem Heizwasser, desto mehr Arbeit muss der Verdichter leisten.

Dieses Verhältnis beschreibt die Leistungszahl COP: Wie viele Kilowattstunden Wärme entstehen aus einer Kilowattstunde Strom. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe erreicht bei sieben Grad Außenluft und 35 Grad Vorlauf einen COP von etwa 4,0. Bei 55 Grad Vorlauf fällt derselbe Wert auf ungefähr 2,8.

Über ein ganzes Jahr gemittelt heißt diese Kennzahl Jahresarbeitszahl. Fußbodenheizungen, die mit 30 bis 35 Grad auskommen, ermöglichen Jahresarbeitszahlen von 4,5 bis 5,0. Bei 55 Grad liegt derselbe Wert typischerweise 0,7 bis 1,0 Punkte darunter.

Warum die Fläche über die Temperatur entscheidet

Ein Raum braucht eine bestimmte Wärmemenge. Diese Menge lässt sich auf zwei Wegen liefern: über eine kleine Fläche mit hoher Temperatur oder über eine große Fläche mit niedriger.

Ein Heizkörper hat vielleicht anderthalb Quadratmeter und muss deshalb auf 50 bis 70 Grad. Eine Fußbodenheizung nutzt den ganzen Raum als Heizfläche, bei 20 Quadratmetern Bodenfläche reichen 30 bis 35 Grad für dieselbe Wärmemenge.

Genau das ist der Grund, warum Fußbodenheizung und Wärmepumpe so oft in einem Satz genannt werden. Es geht nicht um Behaglichkeit, sondern um die Physik der Heizfläche.

Was das für die Systemwahl bedeutet

Die Bauweise der Fußbodenheizung beeinflusst, welche Vorlauftemperatur nötig ist. Zwischen Heizrohr und Raum liegt Material, und jedes Material bremst.

Dünnschichtsysteme mit dünner Estrichüberdeckung übertragen die Wärme besser als Trockenbausysteme, bei denen mehr Luft im Aufbau steckt. In der Praxis bedeutet das einige Grad Unterschied in der nötigen Vorlauftemperatur, und damit nach der Faustregel oben durchaus zehn Prozent im Verbrauch. Welche Bauweise wann infrage kommt, steht in unserem Systemvergleich.

Ebenso wirkt der Rohrabstand: Enger verlegte Rohre kommen mit niedrigerer Temperatur aus. Der Aufpreis für engere Verlegung ist gering, die Wirkung hält zwanzig Jahre.

Was Sie prüfen sollten, bevor Sie unterschreiben

Eine seriöse Planung nennt die Vorlauftemperatur, mit der die Anlage im Auslegungsfall arbeiten soll, also am kältesten Tag des Jahres. Fehlt diese Zahl im Angebot, fehlt die Grundlage jeder Effizienzaussage.

Fragen Sie außerdem nach der Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Ohne sie ist die Auslegung geraten, und geratene Anlagen werden im Zweifel zu groß gewählt. Eine überdimensionierte Wärmepumpe taktet häufiger, was Verschleiß erhöht und Effizienz kostet.

Ein Hinweis zum Bestand: Nicht jeder Raum lässt sich mit 35 Grad beheizen. In einem ungedämmten Altbau kann die nötige Vorlauftemperatur deutlich höher liegen. Dann ist die Fußbodenheizung immer noch die bessere Wahl als der Heizkörper, aber die Dämmung der Gebäudehülle ist der größere Hebel. Was dabei gefördert wird, steht auf unserer Seite zur Förderberatung.